Update Schwangerschaftswoche 29

Über die 29. Woche gibt es eigentlich nicht viel zu sagen.
Aber plötzlich ist der Bauch da. Eine kleine Murmel hatte ich ja relativ schnell, aber die wuchs dann nicht wirklich. Aber jetzt sieht das wirklich nach Schwangerschaftsbauch aus. Auch meine Kollegen sprechen mich darauf an, dass ich in den letzten zwei, drei Wochen deutlich runder geworden bin. Das darf nun aber auch langsam mal losgehen.

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Das Geschlecht

28,5 Jahre meines Lebens wollte ich unbedingt ein Mädchen bekommen. Ich beneidete schon Schwangerschaften an sich, aber wenn es ein Mädchen wurde, war es noch schlimmer.

Als wir dann aktiv versuchten, schwanger zu werden, bekam ich Angst. Ich wollte dem Kind nicht mit Enttäuschung entgegentreten, wenn es ein Junge wird. Jahrzehntelang hatte ich mich so in die Wunschvorstellung eines Mädchens hineingesteigert, das wäre für einen Jungen nicht fair. Ich will mich über alles freuen, was kommt.
Also fing ich bewusst an, über einen Jungen nachzudenken. Umso länger in meiner Vorstellung ein kleiner Junge die Hauptrolle spielte, umso besser fand ich den Gedanken.
Als ich dann wirklich schwanger war, war es sogar so, dass ich mir einen Jungen ein klitzekleines bisschen mehr gewünscht habe.
Als meine Ärztin das erste Mal etwas von Tendenz Mädchen sagte, war ich wirklich überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Wie soll es denn sein, dass mein ursprünglicher Wunsch doch in Erfüllung geht?

Buddy und ich hatten bezüglich des Geschlechts viele Meinungsverschiedenheiten.
Zum einen sagte er immer wieder, dass er kein Mädchen haben will, sondern nur einen Jungen. Vor allem in der Kinderwunschphase blökte ich ihn dann an: „Dann brauchen wir erst gar kein Kind bekommen, wenn du so drauf bist!“
Außerdem stand für ihn fest, dass – sollten wir das Geschlecht endlich mal wissen – es niemand wissen darf. Weder Freunde, noch Familie. Er hatte mal bei einem Freund vor vielen Jahren von schlechten Erfahrungen gehört, der das Geschlecht verriet und da hatte er sich geschworen, dass er es nie vorab sagen würde. Meine Argumente, dass er sich von einer schlechten Erfahrung, aber nicht von zehn guten beeinflussen lässt, interessierte ihn nicht. Das war unser größtes Streitthema. Ich wollte es nämlich gern sagen. Zum einen fragen das ja auch alle und zum anderen: Es ändert für die anderen ja nichts. Außerdem können dann geschlechterspezifische Geschenke gekauft werden, was die meisten Leute eben gern machen.

Meiner Mutter sagte ich, dass Buddy nicht möchte, dass wir es sagen und sie wurde richtig wütend. Bei jedem Telefonat pampte sie mich deswegen an. Sie wäre ja die Oma und hätte ein Anrecht darauf. Sie sei ja so traurig, dass sie es nicht wissen dürfe. Und überhaupt wäre das ja wohl richtig affig, es nicht zu sagen. Sie wollte mich auch ständig dazu überreden, dass ich es ihr heimlich, hinter Buddys Rücken erzähle. Aber das mache ich nicht. Außerdem wussten wir ja eh nicht wirklich, was es wird.

Immer wieder gab meine Ärztin Mädchen-Tendenzen ab, aber die resultierten eigentlich nur daher, dass die Beine immer geschlossen waren und das wohl meistens Mädchen machen.
Erst als ich bei der anderen Ärztin der Praxis war, die mit 3D schaute, stand das Geschlecht fest.

Ein paar Tage nach dem Termin hatten wir eine Familienfeier und sowohl meine Eltern als auch Buddys Familie war bei uns. Ich fragte ihn vorab, ob wir es da nicht doch verkünden wollen, weil dann niemand im Nachteil ist und es alle gleichzeitig erfahren. Er war unentschlossen.

Doch auf der Feier fragte er mich plötzlich heimlich, ob wir es nun sagen wollen.
Also holte ich den Karton, in dem ich die Bommeln für das selbstgemachte Bommel-Mobile aufhebe. Seit jeher stand fest, es soll drei Farben enthalten: Grau (was ich dann beim Kauf der Wolle zu Weiß änderte), Mint und Hellblau/Rosa (je nachdem).
Ich stellte mich also mit dem Karton vor alle und zog die Bommeln heraus. Erst Weiß und ein leichtes Raunen ging durch den Raum, dann Mint und plötzlich rief jemand: „Es wird ein Junge!“ und ich guckte ganz verwirrt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Immerhin gibt es bisher bei mir alles in Mint, weil ich das so geschlechtsneutral finde. „Nee, Mint war eh geplant…“ stotterte ich, um dann die dritte Farbe herauszuholen: Rosa.

„Es wird ein Mädchen!“ riefen plötzlich ein paar mehr Stimmen und ich nickte.

Ach, und Buddy? Der bekam bei einem „98% Mädchen“ von meiner Ärztin damals schon ganz glasige Augen und fragte: „Es wird also eine Prinzessin?“. So viel dazu.


5. Ultraschalltermin

Der fünfte Ultraschalltermin ist eigentlich schon der sechste gewesen. Das letzte Mal sah ich das Baby beim Blutzuckertest, bei dem meine Ärztin so schlecht drauf war und tat, als hätten wir uns einen Ultraschall erschlichen.

Dieses Mal stand das erste CTG an. Buddy konnte leider nicht mitkommen, als nahm ich eine Freundin mit, die mir schon seit Anfang an sagt, dass sie gern mal mit zum Ultraschall kommen würde.
Da ich in der 28. Woche war, bin ich davon ausgegangen, dass dieses mal das Dritttrimesterscreening sein wird.

Ich lag zehn Minuten am CTG, das erste Mal war erst so eine Art Test. Das Baby hat noch so viel Platz, dass es sich leicht wegdrehen kann und dann eh keine Herztöne mehr getroffen werden. Und das tat dieses Kind auch relativ regelmäßig. Ab und zu rumpelte es im Bauch und das schnelle Schlagen verschwand aus dem Raum. Plötzlich zeigte das Gerät nur meine Herztöne an, aber nie lange, denn bald war das Baby zurück an seinem Platz.
Richtig gut fand es das CTG aber nicht, so viel, wie es sich bewegt hat.
Der Wehenschreiber, ebenso wie die Herztöne, war aber top.

Danach konnte ich zur Ärztin rein. Da meine Ärtin nicht da war, musste ich zur anderen dieser Gemeinschaftspraxis. Und die ist ganz anders drauf als meine Ärztin, die einfach jedes Mal einen kostenlosen Ultraschall macht.
Es sollte nur kurz ein Gespräch geben und dann sollte ich gehen. Wäre für mich an sich ok gewesen, aber nun war ja extra meine Freundin dabei. Also erzählte ich von meiner Hebamme, die sagte, dass das Kind zwei Wochen weiter sei. Ich behauptete, dass ich mir deswegen Sorgen mache, was eigentlich nicht stimmt. Aber immerhin klappte es so, dass ich mir dieses Mal wirklich einen Ultraschall erschlich.
Wir mussten nur noch einmal zurück ins Wartezimmer, damit die anderen Frauen erst ihre Termine wahrnehmen konnten.

Wir mussten eine ganze Weile warten, aber dann durfte ich mich endlich auf die Liege legen. Der Gebärmutterhals ist immer noch schön lang, was mich sehr freute.
Zum ersten Mal lag das Kind nicht in Schädellage, sondern quer. Ich tippe darauf, dass es mit dem CTG zu tun hat, von dem es sich in dieser Lage weitmöglichst weggedreht hatte.
Sie schallte alles schnell, aber genau. Oberschenkelknochen, Bauch, Kopf – alles entsprach, wie immer beim Ultraschall, genau der richtigen Woche. Die Hebamme verschätzt sich also anscheinend wirklich.
Plötzlich drückte die Ärztin einen Knopf und der Bildschirm änderte sich. Ich wusste nicht, dass in der Praxis 3D geht und war vollkommen baff. Da lag dieses kleine Menschlein plötzlich nicht mehr als Schwarz-Weißes-Gekrissel, sondern als orange Hebungen und Senkungen. Mehrfach versuchte die Ärztin ein schönes Bild vom Gesicht zu bekommen, aber das Kind bewegte sich zu sehr. Darum gab es ein Bild von der kleinen Faust.
Sie fragte: „Wissen Sie eigentlich das Geschlcht?“
„Nicht wirklich, es kneift immer die Beine zusammen.“, sagte ich.
Doch in dieser neuen Lage waren die Beine geöffnet. Sie zoonmte mit 3D heran und sagte uns, was es wird…


Update Schwangerschaftswoche 28

Die 28. Woche war nicht nur die letzte im 7. Monat, sondern auch sehr produktiv.
Ich habe die Elternzeit bei meinem Arbeitsgeber eingereicht, wir haben einen Kinderwagen gekauft, ich habe einen Termin für ein Babybauch- und Neugeborenenshooting ausgemacht, ich habe Materialien gekauft, mit denen ich ein Mobilé selber basteln möchte, ich habe mich noch bei weiteren Babyclubs angemeldet, ich habe mir Magnesium aus der Apotheke geholt und außerdem hatte ich wieder einen Arzttermin, über den ich noch berichten werde.
Außerdem wird mein eigentlich sehr tiefer Bauchnabel immer flacher. Im Stehen sieht er noch aus wie immer, aber sobald ich liege oder den Bauch durchstrecke, kommt eine kleine Kugel immer weiter vor und verschließt den Nabel von innen. Ich bin mal gespannt, ob er je ganz bei mir herauskommen wird. Ich rechne nicht damit.


Kreißsaalbesichtigung

Es stand für mich immer fest: Sollte ich einmal ein Kind in meiner Stadt bekommen, dann in dem Krankenhaus, in dem mir auch meine Mandeln entfernt wurden. Ich kannte hier ja nichts anderes. In meiner Heimatstadt gibt es nur ein Krankenhaus, in meiner jetzigen Stadt sind sehr viele. Da wollte ich dann das nehmen, was ich kenne.

Sowohl meine Hebamme als auch meine Frauenärztin finden das Krankenhaus auch grunsätzlich gut, aber für Geburten nicht optimal. Es fiel mir schwer, mich an den Gedanken zu gewöhnen. Empfohlen hatte meine Hebamme ein anderes. Hier hat Buddys Schwester auch ihre Kinder zur Welt gebracht und Buddy mag das Haus sehr. Es ist aber eigentlich zu weit weg und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut zu erreichen.
Ein anderes empfahl sie noch. Das ist leicht und gut zu erreichen und hat einen guten Ruf. Dieses wählte ich für die erste Kreißsaalbesichtigung aus.

Der Raum war mit Obst, Keksen und Säften ausgestattet. Das hatte ich nicht erwartet, fand es aber sehr nett. Immer mehr Schwangere setzten sich in die Stuhlreihen und ich fand es wahnsinnig amüsant. Ich habe noch nie so viele Schwangere auf einem Haufen gesehen.
Pünktlich kamen dann eine Hebamme und ein Oberarzt und beide waren unfassbar sympathisch. Wir lachten alle so viel, es war nett und locker. Ich fühlte mich wohl. Auch was uns erzählt wurde, gefiel mir:
– im Schnitt haben sie vier Geburten pro Tag und sie haben vier Kreißsäle
– es gab noch nie einen ernsthaften Engpass
– sie haben noch nie eine Frau abgewiesen, die zur Geburt ankam (Eine meiner Ängste. In den Nachrichten waren in letzter Zeit ja ein paar dieser Fälle.)
– es gibt 25 Hebammen und 19 Ärztinnen und Ärzte
– man darf so viele Leute, wie man will in den Kreißsaal mitnehmen (Ich will nur Buddy dabei haben, aber ich mag es, dass das Krankenhaus die Leute nicht einschränkt.)
– sie unterstützen Hypnobirthing (Damit will ich mich noch auseinandersetzen.)
– „Dammhalten ist Ehrensache!“ sagte die Hebamme. Sie vermeiden also Dammschnitt so gut es geht (aktuell eine Rate von 10 Prozent).
– dem Oberarzt, der dabei war, ist eine niedringe Kaiserschnittrate sehr wichtig und er kämpft richtig dafür. Der deutsche Schnitt liegt aktuell bei circa 33 Prozent, das Krankenhaus hat 28,5 Prozent, was er dringend halten oder noch verbessern will.
– ganzheitliche Behandlung der Hebammen (also auch Akupressur, Akupunktur, Hebammencocktail, Kaffeekompressen für den Damm etc.), Zitat der Hebamme: „Also von Wald- und Wiesen-Geburt bis zur Hightech-Geburt könnt ihr hier bekommen, was ihr wollt.“
– Wehenmittel und PDA werden so lange vermieden, wie es geht
– Käferposition wird abgelehnt, die Hebammen bieten unter der Geburt ganz viel an und die Frau soll entscheiden, was ihr gerade am besten tut. Die Hebamme sagte: „Und wenn ich mit euch singen und tanzen soll, dann mache ich das! Überhaupt: Ihr turnt vor, was ihr wollt und wir Hebammen kriechen hinterher. Alles eure Entscheidung!“

Es gibt nur zwei kleine Mankos.
Zum einen hat sich das Krankenhaus gegen Lachgas ausgesprochen. Das wollte ich ja eigentlich gern haben, aber Arzt und Hebamme haben sehr genau ihre Gründe zur Ablehnung vorgetragen und das klang für mich einleuchtend.
Zum anderen kann man da das Kind erst bekommen, wenn man in der 36. Woche ist. Das Klinikum ist nicht für eine Maximalversorgung für Frühchen ausgelegt. Den Zuschlag haben sie nicht bekommen, weil es ganz in der Nähe zwei andere Krankenhäuser mit Maximalversorgung gibt und das Amt das deswegen abgelehnt hat. Es wird aber eng mit den anderen Häusern zusammengearbeitet und im Zweifel werden zu früh geborene Kinder, die doch in dem Krankenhaus zur Welt kommen, zu den anderen verlegt. Für kleine und mittlere Probleme der Kinder sind sie aber ausgelegt.

Zwei der vier Kreißsäle konnten wir uns dann noch anschauen und sie sahen beide schön aus. Man kann sich darin defintiv wohlfühlen.

Als Buddy und ich nach über zwei Stunden das Krankenhaus verließen, sagte ich zu ihm: „Also ich müsste die anderen beiden Kliniken nicht mehr anschauen.“ Er sagte nur: „Ich auch nicht.“
Wir haben uns beide dort direkt so wohl gefühlt, dass wir uns für eine Geburt in dem Haus entschieden haben.


Oktober 2018

Der Oktober war ziemlich anstrengend für mich.
Erst habe ich auf Arbeit verkündet, dass ich schwanger bin und dann musste ich auch noch lange im Zug sitzen, weil an einem Wochenende meine Mutter ihren Geburtstag feierte und ich direkt am nächsten Wochenende Trauzeugin war. Das enge sitzen im Zug, überhaupt die Fahrerei, dann der wenige Schlaf, der nicht in meinem Bett stattfand… das alles hatte mich so unfassbar angestrengt, dass es mir immer schlechter ging. Ich versuchte es auf Arbeit, aber ich konnte nicht mehr. Also meldete ich mich einen Tag krank, schlief mich ordentlich aus und entspannte auf der Couch. Dieser eine Tag hatte schon gereicht, damit es mir wieder besser ging.
Aber ich freute mich auch darauf, dass ich die nächsten Monate erstmal nirgends mehr hinfahren muss.


Die Sache mit dem Job III

Nach zweieinhalb Wochen war ich auf Arbeit schon richtig angekommen. Ich arbeitete eigenständig, verstand mich super mit den Kollegen und fühlte mich unfassbar wohl. Das alles half meinem schlechten Gewissen nicht weiter. Ich konnte und wollte nicht mehr lange verheimlichen, dass ich schwanger bin. Mittlerweile war ich auch im sechsten Monat und ich merkte es immer mehr, dass nicht mehr alles so locker geht, wie vor der Schwangerschaft.
Die drei Kollegen, mit denen ich besonders eng zusammenarbeite, sind männlich. Auch wenn bei uns sehr viele Eltern (parallel mit mir sogar noch eine Schwangere und ein werdender Vater) arbeiten, waren ausgerechnet zwei meiner drei „Hauptkollegen“ männlich, single und kinderlos. Ich hatte wirklich Angst vor ihren Reaktionen.

Doch dann gab es ein Zweiermeeting mit einem der drei und ich nutzte die Gunst der Stunde. Bevor wir ins Thema einstiegen, sagte ich frei heraus, dass ich schwanger bin und dass es mir total leid tut, dass ich bald weg bin. Ich erzählte in groben Zügen, warum ich bisher nichts gesagt habe und sagte, dass ich trotzdem ganz normal weiterarbeiten will. Er schaute etwas verkniffen und sagte „Ok… uncool. Also für uns. Für dich natürlich herzlichen Glückwunsch! Aber ich habe es geahnt. Also nicht jetzt bei dir direkt, aber ich sagte zum Chef vor deiner Einstellung: ‚Pass mal auf, sie ist Ende 20 und hat einen Freund… Wenn sie mal nicht schwanger ist, wenn sie hier anfängt.‘ Und genau so kommt es nun.“ Als der erste Schreck verdaut war, war er aber ganz lieb, freute sich mit mir und nahm die Situation sportlich.

Einen Tag später erzählte ich es dem zweiten aus dem Dreigespann, als auch wir ein Zweiermeeting hatten. Warum auch immer, bei ihm war ich extrem nervös. Er ist total lieb und sympathisch, ich weß nicht, warum ich da plötzlich aufgeregt war. Beim Erzählen musste ich mich auch anstrengend, nicht zu heulen. Er fasste es noch lieber auf als der Kollege vom Tag zuvor. Seine Augen strahlten sofort, er stellte Fragen, freute sich. Und mehrfach im Gespräch sagte er: „Wirklich! Meinen herzlichsten Glückwunsch!“
Ich bat ihn – wie auch den ersten Kollegen – es keinem zu sagen. Ich wollte es nach und nach an den wichtigen Stellen platzieren. Er versprach es mir.

Mit den beiden hatte ich nun die kinderlosen Singles eingeweiht.
Bei einem nächsten Meeting mit Kollege 1 und dem fehlende Dritten, sagte ich es auch Nummer 3. Er ist selber Vater und freute sich direkt mit mir. „Ich sag dir, wie es ist. Kinder sind das Beste! Genieß es!“. Und er nahm mir noch einiges mehr von meinem schlechten Gewissen: „Du konntest nicht wissen, wie viel Arbeit wir haben. Du konntest nicht wissen, wie schwer die letzten Jahre waren. Du konntest nicht wissen, wie dringend wir dich brauchen…“. Auch er war entspannt.

Nun stand nur noch das Gespräch mit meinem Chef an. Eigentlich wollte ich es ihm als erstes sagen, aber durch die kurzfristigen Zweiermeetings mit Kollege 1 und 2 ergab es sich anders.
Nachdem der Chef von einer Dienstreise zurück war, wollten wir eh ein Gespräch führen, wie es mir die ersten drei Wochen ergangen war.
Voller Nervosität ging ich in sein Büro, er lächelte mich an und sagte: „Na du machst ja Sachen! Glückwunsch!“. Ich versuchte kurz unwissend zu wirken, aber der Chef sagte, dass Kollege 2 ihn direkt nach unserem Gespräch angerufen und es erzählte hat. Kurz war ich etwas enttäuscht. Ich hatte ihn extra darum gebeten, es niemandem zu sagen. Auch dass ich es dem Chef persönlich sagen will, wusste er. Aber dann fiel mir auf, dass es vielleicht doch nicht so schlecht war. Immerhin konnte der Chef so nun ein paar Nächte drüber schlafen und souverän mit der Lage umgehen. Und das tat er! Auch er ist Vater und sagte wieder, wie schön und toll Kinder sind. Und dass Kinder geboren werden sollen. Dass es dafür ja auch die verschiedenen Gesetze gibt. Er war sehr interessiert an der Schwangerschaft und wünschte mir auch innerhalb des Gespräches immer wieder viel Glück. „Es ist wie es ist.“, sagte er auch immer wieder und dass sie sich dann auf die Suche nach einer Elternzeitvertretung machen werden. Alles weniger problematisch, als ich befürchtet hatte.
Ich verließ mehr als erleichtert sein Büro.

Die nächste Kollegin erfuhr es, als wir gemeinsam in die Küche gingen. Ich mag sie sehr gern. Als ich ein Stück Kuchen nahm, sagte ich: „Das Baby hat Hunger.“ und deutete auf meinen Bauch. Sie war sofort Feuer und Flamme und gratulierte mir überschwänglich. Ich erzähle auch ihr, warum ich mich „heimlich schwanger“ beworben habe und sie erzählte: „Das war richtig! Ich habe mich damals im zweiten oder dritten Monat mal irgendwo beworben. Der Chef sagte dann zu mir, dass ich den Job bekomme. Alles war in trockenen Tüchern. Dann habe ich gesagt, dass ich schwanger bin und der Chef sagte: ‚Achsooo, na dann kann ich dir den Job nicht geben. Wirst du ja verstehen…'“
Sie war also – wie alle anderen bisher – nicht böse mit mir, dass ich schwanger in die Firma gekommen bin.

Nach und nach erfuhren es auch die anderen. Jeder einzelne war nett und freute sich.
Am nächsten Montag brachte ich Kuchen mit in die Firma und schrieb eine Begleitmail, dass ich allen sehr danke, dass sie die Verkündung meiner Schwangerschaft so lieb und herzlich aufgenommen haben. Das habe ich nicht als selbstverständlich angesehen.

Die Verkündung ist nun gut zwei Monate her und seitdem habe ich nicht ein schlechtes Wort gehört. Alle waren lieb und haben mich auch weiterhin mit Aufgaben versorgt, regelmäßige Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die ich noch so lange übernehmen soll, wie ich da bin.
Ich bin so dankbar und glücklich. Das alles hätte ganz anders ausgehen können.
Ich kann nun in wenigen Wochen ganz entspannt in den Mutterschutz gehen und freue mich darauf, nach einem Jahr zurückzukommen. Ich habe alles richtig gemacht.


September 2018

Der September begann relativ entspannt, denn er begann mit den ersten paar Tagen, die ich in meinem Leben vollzeitarbeitslos verbrachte. Da ich aber schon für wenige Tage später meinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben habe, war ich sehr entspannt und genoss sogar die freien Tage, die mir auch noch bezahlt wurden. Ich war bisher nie arbeitslos und wollte das auch nicht sein. Aber unter den Umständen, da fand ich es für die paar Tage ok, mich damit nicht schlecht zu fühlen. Ich hatte im fünften Schwangerschaftsmonat noch einen unbefristeten Vollzeitjob gefunden. Da durfte ich mich freuen und musste mich nicht schlecht fühlen.

Der neue Job bestimmte dann auch diesen Monat.
Es war ungewohnt, nach drei Jahren Studium (mit Nebenjobs) wieder Vollzeit zu arbeiten. Vor allem strengte es an, dass man eine Stunde Mittagspause machen muss und ich deswegen meist erst nach 18 Uhr Feierabend habe. Das ist schon spät. Ich könnte zwar eine Stunde früher auf Arbeit sein und dann auch eine Stunde früher Feierabend machen, aber ich habe es echt nicht so mit dem Aufstehen.

Im neunten Monat dieses Jahres hatte ich aber auch viel Angst. Ich musste es ja noch irgendwie meinem Chef und meinen Kollegen sagen, dass ich demnächst erstmal wieder weg bin. Das bereitete mir wirklich Sorgen.

Tja, der September war irgendwie ein Aufbruch in eine neue Phase meines Lebens. Studium abgeschlossen, neuer Job und mit großen Schritten ging ich auf „hochschwanger“ zu. Das alles machte mich ziemlich glücklich.


Das sechste Semester

Im Oktober fing für fast alle, die mit mir im ersten Semester gestartet sind, das siebte Semester an. Doch nicht für mich. Ich habe mein Studium nicht nur im sechsten Semester abgeschlossen, sondern ich hatte auch alle drei Kurse, die angestanden hätten, schon vorgezogen.
Ich hatte einzig und allein die Bachelorarbeit zu schreiben und musste nie zur Uni fahren. Ein Luxus!

So konnte ich parallel relativ viel arbeiten und die ersten Monate der Schwangerschaft ganz gut überstehen.
Zur Uni hätte ich in meinem Zustand eh häufig nicht fahren können. Ich lag viel mit meiner Übelkeit auf der Couch herum und hoffte, dass der Tag endlich vergeht und ich in den seligen Schlaf fallen darf.

Obwohl ich also nun nur einen Kopf für die Bachelorarbeit haben musste, ging es nicht so schnell voran, wie ich gern wollte.
Ich hatte mir extra ein Thema gesucht, auf das ich richtig Lust hatte. Ich lese sehr gern und habe es geschafft ein Thema zu finden, das sich mit einem Roman beschäftigte. Doch den zu lesen dauerte erst einmal, denn leider gefiel mir das Buch nicht. Die ganzen Anmerkungen und Unterstreichungen verlängerten das Lesen zusätzlich. Die Lust auf das Thema schwand.
So schnell, wie ich es gehofft hatte, konnte ich das alles also doch nicht runterschreiben.
Zusätzlich machte es mir einfach auch die Übelkeit schwer. Selbst, als ich nur noch vier Tage bis zur Abgabe hatte, konnte ich zwei Tage lang nichts machen, denn ich konnte nur liegen.
Also beendete ich die Arbeit in einer Nacht- und Nebel-Aktion.
Trotz dieser erschwerten Umstände ging ich mit einer 1,7 aus der Sache und war damit wirklich zufrieden.

Da ich zwei Dozenten zur Betreuung ausgesucht hatte, die ich äußerst gern mochte, freute ich mich fast auf meine mündliche Verteidigung. Beide sind so lieb und entspannt und so war dann auch das Gespräch.

Lange hatte ich ja überlegt, ob ich doch noch einen Master dranhänge, aber das hatte sich erst einmal erledigt durch das Kind.
Aber wer weiß, vielleicht irgendwann. Ich schließe es nicht aus.

Tschüß Studentenzeit! Nach dem Abi war ich sicher, dich nie persönlich kennenzulernen. Aber dann war es doch unerwartet schön mit dir!


August 2018

Der August war ein aufregender Monat.

Ich hatte mein Kolloquium zur Bachelorarbeit und habe damit offiziell mein Studium abgeschlossen.
Die Immatrikulationszeit habe ich aber bis Ende August verlängert, damit ich meinen Studentenjob noch so lange haben kann.

In der Zeit habe ich dann natürlich wie wild einen Job gesucht, war parallel aber schon im Arbeitsamt, um mich arbeitslos zu melden. Und sind wir ehrlich: Ich habe mich geschämt.
Ganz am Anfang des Studiums, als ich den ersten Nebenjob schon fest zugesagt bekommen hatte, ihn aber noch nicht antreten wollte, um mich ans Studieren zu gewöhnen, bekam ich kurzzeitig auch Arbeitslosengeld. Aber das fühlte sich nicht schlimm an, denn einerseits war ich ja im Vollzeitstudium und andererseits… wenn es einem auch während des Studiums zusteht?! Da fand ich es ok, es für die Übergangszeit zu bekommen (zusätzlich wird man dabei ja auch nur an wenigen Stunden berechnet und bekommt nicht viel Geld).
Aber nun stand ich so richtig vor der Arbeitslosigkeit. So richtig, richtig. Und ich hatte verdammte Angst. Es war nie mein Ziel, mein Kind in eine Arbeitslosigkeit hineinzubekommen.
Die Leute im Amt waren dann aber auch alle sehr nett und verständnisvoll. Ich hatte mich schon innerlich gewappnet für Anschuldigungen und missbilligendes Kopfschütteln. Aber nichts dergleichen kam. Mein Sachbearbeiter sagte nur, dass er mir leider nicht helfen kann, weil für meine Branche gerade keine Jobs bei ihnen ausgeschrieben sind und er sieht es aufgrund der voranschreitenden Schwangerschaft eh als unmöglich an, noch etwas zu bekommen.
Aber damit wollte ich mich nicht abfinden. Ich suchte weiter und kaufte mir vorsorglich eine Bluse mit Rüschen ab dem Bauchnabel, sodass ich meinen wachsenden Bauch verstecken konnte, falls ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werde.

Und tatsächlich: In den letzten Tagen des Augusts fand ich wirklich noch einen Job. Und das Beste (was ich nun nach zwei Monaten weiß): Es ist nicht nur „irgendein Job, den ich während der Elternzeit haben kann“, sondern er gefällt mir wirklich. Ich habe Spaß und tolle Kollegen und freue mich darauf, 2020 wieder an meinen Platz zurückzukehren.